Auf dem Bioland-Hof Amann in Hohenlohe bekommen die Kühe keine kalten Füße, dafür aber nasse: Der Weg von der Weide in den Stall führt durch das Flüsschen Rot. Das ist freilich keine Szene aus einem Cowboy-Film: Gemächlich überqueren die schweren Tiere die Furt.

 

An diesem Tag unterstützt die ehemalige Auszubildende Yvonne – seit 2014 ist der Bioland-Hof Lehrbetrieb – Joachim Weber-Amann bei der Arbeit. Und Sky, der freundliche Schäferhund-Dobermann-Berner Sennenhund-Mischling, der laut bellend die Menschen begleitet. Die Kühe scheren sich nicht um ihn. Einige bleiben wie verträumt mitten im Fluss stehen und schöpfen Wasser, andere trotten zügig in Richtung Stall. Sie wissen: Erst wird gemolken, dann gibt’s Abendessen.

 

Video: Beim Bioland-Hof Amann geht’s quer durch die Rot

 

Michaela Amann und Joachim Weber-Amann haben Landwirtschaft in Witzenhausen studiert. Vor 20 Jahren haben sie den Milchviehbetrieb im Rottal auf Rentenbasis übernommen und auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. Inzwischen bewirtschaften sie den Hof gemeinsam mit ihrer Tochter und mutmaßlichen Nachfolgerin Leonie, unterstützt von einem/einer Auszubildenden und einer Praktikantin/einem Praktikanten von Wwoof. Die Organisation WorldWide Opportunities on Organic Farms, Deutschland, verbindet ökologische Höfe mit Besuchern. Derzeit arbeitet Carla aus Bayern bei den Amanns mit. „Eine richtige Win-win-Situation“, sagt die junge Frau, „für mich wie für den Betrieb.“

 

„Die Kuhdusche ist angenehm für die Kühe und hält die Fliegen draußen“
Michaela Amann, Bioland-Hofbesitzerin

 

Michaela Amann mit Praktikantin Carla im Melkstand

Inzwischen drängelt sich die Herde vor dem Milchhaus. Unter dem so genannten Doppelvierer-Fischgrätenmelkstand (die acht Kühe stehen schräg, so dass sich die Euter an der Melkgrube befinden) schnappen sich Carla und Michaela je eine Handvoll Holzwolle und reiben damit die Euter der Tiere sauber. Dann setzen sie mit geübtem Griff das Melkzeug an. Ganz vorne steht Katja, mit 14 Jahren und 13 Kälbern die Älteste auf dem Amannschen Hof. Auffallend sind die langen geschwungenen Hörner, die mit jedem Kalb ein wenig gewachsen sind, und die alle Tiere auf dem Betrieb Amann behalten dürfen. Ein feiner Sprühregen aus Düsen an der Decke benetzt die Tiere. „Das ist angenehm für die Kühe und hält die Fliegen draußen“, erklärt Michaela Amann den doppelten Effekt der Kuhdusche.

 

Joachim Weber-Amann verteilt Gras und Luzerneklee an die Fressstände der Kühe

Rund 1400 Liter Heumilch kommen an vier Melkgängen zusammen. Alle zwei Tage holt ein Fahrer der Dorfkäserei den Inhalt des großen Metallbehälters ab. In Geifertshofen wird die Amannsche Heumilch wie die der zwölf anderen Mitgliedsbetriebe zu feinen Käsespezialitäten verarbeitet. Heumilch heißt, dass die Kühe keine Silage zum Fressen bekommen – ausschließlich Heu, etwas Getreideschrot und frisches Gras. Einen ganzen Hänger davon hat Joachim Weber-Amann während des Melkens frisch gemäht und im Mittelgang des Stalls abgeladen. „Gras und Luzerneklee“, erklärt der Landwirt und schnappt sich die lange Gabel, um das frische Grün an die Fressstände der Kühe zu befördern. Die warten schon begierig.

 

„Einmal im Jahr sollte eine Milchkuh ein Kalb bekommen“
Joachim Weber-Amann, Bioland-Hofbesitzer

 

Derzeit leben 42 Milchkühe der Rassen Fleck- und Braunvieh mit ihrer Nachzucht auf dem Hof. „Wir möchten, dass unsere Kühe möglichst alt werden“, sagt Michaela Amann. Das bedeutet aber, dass auch nicht alle weiblichen Kälber da bleiben können, denn: „Einmal im Jahr sollte eine Milchkuh ein Kalb bekommen“, erklärt ihr Mann. Einen Teil des männlichen und des weiblichen  Nachwuchses vermarkten die Amanns über die Bruderkalb-Initiative der Bio-Musterregion Hohenlohe (https://bruderkalb.wordpress.com). Ziel ist, möglichst viele der Milchvieh-Kälber von Bio-Höfen auch ökologisch zu mästen.

 

An heißen Tagen verläuft das Ritual der Durchquerung der Furt übrigens andersherum. Bei Hitze geht’s abends auf die Weide und morgens in den großen Laufstall.