Brauchtum an Lichtmess


2.2.2020 – ein Datum mit Schnapszahlen. Im bäuerlichen Leben früherer Tage war der 2. Februar aber kein Scherz, sondern ein wichtiger Tag: An Lichtmess, dem 40. Tag nach Weihnachten begann traditionell das Bauernjahr.

 

Vielen verrät in diesen Tagen ihre innere Uhr: Der Winter befindet sich auf dem Rückzug. Das heißt zwar nicht, dass Schnee und Eis nicht mehr kommen könnten. Im Gegenteil. Alte Bauernregeln besagen: Je milder der Lichtmesstag am 2. Februar, desto länger ist es noch kalt.

 

„Ist‘s an Lichtmess hell und rein,
wird ein langer Winter sein.
Wenn es aber stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.“

Unsere Erdhälfte nähert sich auf ihrer Kreisbahn der Sonne. Seit Weihnachten werden die Tage allmählich länger. Anfangs unmerklich, doch Anfang Februar ist die Veränderung schon deutlich sichtbar. Abends versinkt die Sonne exakt eine Stunde später als zur Wintersonnenwende am 21. Dezember. Unsere Vorfahren beobachteten die zunehmende Helligkeit genau. „Licht messen“ sagten sie dazu – der Ursprung des Wortes.

 

Der Wallhäuser Geschichtsschreiber Otto Ströbel berichtet in seinem Buch „Feste und Bräuche der Hohenloher“ über die Traditionen: „Von jeher war Lichtmess ein Zinstermin. Das hatte zur Folge, dass sich dieser Tag zu einem Wandertag der Dienstboten entwickelte.“ Diese verdingten sich nämlich von Lichtmess zu Lichtmess. „Ein Wechsel in der Zwischenzeit war in der Regel unstatthaft und nur in begründeten Fällen möglich.“

 

An Lichtmess bekamen die Angestellten den Rest ihres Jahreslohns ausbezahlt und konnten – oder mussten – sich eine neue Dienststelle suchen. Verlängerte der alte Dienstherr das Arbeitsverhältnis, besiegelten der Herr und der Knecht oder die Magd den Vertrag mit einem Handschlag. War er mit der Arbeit nicht zufrieden, legte er ihm oder ihr ans Herz, sich nach einer anderen Stelle umzusehen. In Schwäbisch Hall oder Crailsheim wurden die neuen Anstellungen auf dem so genannten Säumarkt oder später in Wirtshäusern ausgehandelt.

 

Traditionell haben die Bauern Bedienstete und Mitbürger in den Gasthäusern freigehalten
Rudolf Bühler, Gründer und Vorstand der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall

 

Rudolf Bühler, der mit der Rettung der alten Landrasse und der Gründung der Züchtervereinigung Schwäbisch-Hällisches Schwein 1986 Wegbereiter für viele zukunftsfähige Bauernhöfe in Hohenlohe ist, knüpft seit einigen Jahren an den Brauch an: „Seit Jahrhunderten ist Lichtmess ein bäuerlicher Festtag, und traditionell haben die Bauern des Dorfs ihre Bediensteten und auch die Mitbürger in den Gasthäusern freigehalten.“ Daher lädt der Gründer und Vorstand der bäuerlichen Gemeinschaft Bauern und Bürger zum gemeinsamen Bauerntag an Lichtmess nach Wolpertshausen ein.

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