Das Los der Bauern


Erst traf der ruinöse Preiskampf bei den Lebensmitteln die Schweinehalter, jetzt sind die Milchbauern dran. Die Situation in der Landwirtschaft in Deutschland ist dramatisch. Immer mehr Bauern geben auf. Das verändert das Leben auf den Dörfern, die Landschaft und das Lebensmittel-Angebot.

 

Bauern und ihre Familien bearbeiten Äcker, mähen Wiesen, erzeugen Getreide, Milch und Fleisch. Seit Jahrtausenden bis weit ins 20. Jahrhundert hinein hat die Landwirtschaft die Lebensweise der meisten Menschen maßgeblich bestimmt und die Landschaften geformt. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Deutschland ein agrarisch geprägter Staat: 60 Prozent der Bevölkerung lebten von der Landwirtschaft. Es waren stolze Bauern, wie unsere historische Aufnahme aus Hohenlohe zeigt. Die alte Landrasse der Schwäbisch-Hällischen sorgte für ein auskömmliches Einkommen der Familien. In der Blütezeit der Zucht, den 1950er Jahren, betrug der Anteil der so genannten Mohrenköpfle in Nordwürttemberg über 90 Prozent, im Landkreis Hall gar 99,2 Prozent.

 

Heute leben noch etwa drei Prozent der Deutschen von der Landwirtschaft. Jedes Jahr schließen Tausende Bauern ihren Betrieb, verkaufen ihre Maschinen, ihr Land, ihre Tiere. Derzeit gibt es in Deutschland nur noch rund 280 000 landwirtschaftliche Betriebe. 1975 waren es knapp eine Million. Innerhalb von zehn Jahren (1999 bis 2010) haben in Baden-Württemberg, der einstigen Schweinehochburg, mehr als die Hälfte der Mäster aufgegeben, genau 57,7 Prozent. Noch deutlicher war der Rückgang bei den Züchtern: 60,2 Prozent haben ihre Höfe dicht gemacht. Und die Entwicklung hält an: minus 4,1 Prozent bei den Mästern, 4,6 Prozent bei den Züchtern von November 2014 bis November 2015.

 

Es sind vor allem die kleinen Betriebe, die es getroffen hat. Mit Einkommensalternativen wie Erzeugung erneuerbarer Energien, Ferien auf dem Bauernhof oder Direktvermarktung versuchen viele, die Entwicklung aufzuhalten und das Familieneinkommen zu stabilisieren. Doch im Grunde ist klar: Wer nicht mehr Tiere züchten oder mästen, aus- oder neu bauen will, muss sich dem so genannten Strukturwandel beugen und aufhören.

 

Geht die Entwicklung weiter, sieht die gar nicht so ferne Zukunft in Deutschland so aus: Statt einem großen Angebot an regionalen Lebensmitteln - Fleisch von anonymen Erzeugern aus der Kühltheke der Supermarktketten. Statt bäuerlicher Kulturlandschaft - versteppte Flusshänge und Monokulturen mit Energiepflanzen. Statt lebendige bäuerliche Traditionen - verlassene Höfe und Dörfer. Wollen wir Verbraucher das?

 

Manche Landwirte suchen in der Bio-Erzeugung ihre Zukunft. Doch nicht für alle ist die ökologische Schweinehaltung eine Option. Eine Alternative bietet die Mitgliedschaft in einer starken Gemeinschaft – der Umstieg auf Schwäbisch-Hällische Schweine und das EU-geschützte Qualitätsfleischprogramm. Es garantiert den Landwirten ein angemessenes Einkommen, weil aufgeklärte Verbraucher das Fleisch nachfragen und bereit sind, höhere Preise dafür zu bezahlen. Im nächsten Blog stellen wir ein Paar vor, das diesen Schritt gemacht hat: Klaus und Evi Herwarth im Main-Tauber-Kreis haben sich für die Schwarz-Weißen entschieden.


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