„Die Haller Erklärung ist ein Meilenstein“


„Es ist Zeit uns zusammenzuschließen“, hat Rudolf Bühler, Chef der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall und Initiator des Global Peasants’ Rights Kongresses in Schwäbisch Hall, die rund 400 Kleinbauern, Aktivisten und Politiker aus rund 50 Ländern beschworen. Die abschließend verabschiedete Charta zu den Rechten von Kleinbauern trägt auch die Handschrift des streitbaren Bio-Landwirts.

 

Der Tagungsort, der Haller Neubausaal, wurde in den Jahren 1505 bis 1533 errichte - in der Zeit, als sich die Vorväter im deutschen Bauernkrieg erhoben und ihre Forderungen in „Zwölf Artikel“ niederschrieben. „Dieses Dokument gilt als erster Forderungskatalog für Menschen- und Freiheitsrechte in Europa und enthielt auch das Recht auf gleichen Zugang zu Land, Wald und Fischereigründen. Obwohl die Feudalherren den Aufstand gewaltsam niederschlugen, leisteten die Bauern weiterhin Widerstand“, sagte Bühler, und fügte hinzu: „Bäuerliches Aufbegehren gibt es weiter!“

 

Denn gemeinsamer Widerstand tut not, sagte Bühler. Der Kern der Botschaft des Hohenlohers lautete: Alle Bauern sitzen in einem Boot. „Wir kämpfen hier für die Freiheit und Gerechtigkeit für Bauern weltweit, im Norden und im Süden“, betonte der Bio-Landwirt in seiner Rede an die Teilnehmer aus aller Welt.

 

Die Unterdrücker von gestern – Feudal- wie Kolonialherren – haben heute neue Gesichter, sagte Bühler: das Kapital und seine Waffen. Der moderne Kolonialismus gehe nicht mehr von Nationen, sondern vom unkontrollierten Großkapital aus. Agrarindustrie und Handelsmonopole beraubten die Kleinbauern weltweit ihres Vermögens: „Die multinationalen Konzerne kontrollieren bereits mehr als 60 Prozent des Saatguts.“  Auch Tierzucht, von Bauern über Jahrhunderte entwickelt, müsse in bäuerlicher Hand bleiben, forderte Bühler. Mit seinen Mitstreitern hatte er im Jahr 2009 den Versuch des Agrarkonzerns Monsanto abgewehrt, die alte Landrasse der Schwäbisch-Hällischen für sich patentieren zu lassen.

 

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Bei dem Kongress erarbeiteten die Teilnehmer Standpunkte zu den Themen Saatgut, Land, Biodiversität, bürgerliche Rechte und angemessenes Einkommen, die in ein Manifest für die Rechte von Kleinbauern einflossen. Hinter der sogenannte „Haller Erklärung“ stehen Bühlers Stiftung Haus der Bauern Schwäbisch Hall, die Kleinbauernbewegung La Via Campesina, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die Menschenrechtsorganisation FIAN und der ökologische Anbauverband Ecoland International.

 

Die Charta wird einer zwischenstaatlichen Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen vorgelegt, die über einen bereits bestehenden Entwurf einer Deklaration für die Rechte von Kleinbauern berät. „Die Haller Erklärung zu den Rechten der Bauern ist ein Meilenstein“, resümierte Rudolf Bühler.

 

Die Haller Erklärung (in englischer Sprache): http://global-peasants-rights.com


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