Ein Bauernjahr (6): Pech und Glück


Bei den Mastställen wachsen zwei Getreidesilos in die Höhe. Markus Ehrmann beaufsichtigt die Montage: „Die Silos müssen vor der Weizenernte fertig sein.“ In der Serie „Ein Bauernjahr“ gibt unser Landwirt aus Herbertshausen ein Jahr lang Einblicke in sein Leben.

 

Markus Ehrmann hatte Pech. Bei einem Unfall hat er sich den linken Mittelfuß gequetscht. Drei Tage lag er im Krankenhaus und ist jetzt, auf Krücken gestützt, zur Rolle des Anweisers verdammt. Betriebshelfer Martin kümmert sich derweil um die Schwäbisch-Hällischen Schweine und vieles andere mehr. Nicht selbst Hand anlegen zu können fällt dem umtriebigen Landwirt schwer. „Da die Ernte heuer früher ist, sind wir ein bisschen im Stress“, sagt er und beordert zwei Männer ins Innere der Stahlblechhaube, die später das Silo abdecken wird. Von außen stecken Vater Helmut Ehrmann und ein Helfer zur Befestigung der Stützen unzählige Schrauben in die Öffnungen, innen ziehen sie die beiden anderen mit Muttern fest.

 

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„Das machen wir lieber selbst“, erklärt der Hofbesitzer, denn die Montage durch die Firma würde etwa 8000 Euro kosten. Er seufzt: „Seit Donnerstag sind wir am Schrauben, dazwischen haben wir schon Wintergerste geerntet und Stroh eingefahren.“ Rund 25 000 Euro muss er für die Getreidesilos hinblättern, in die insgesamt 160 Tonnen Getreide passen. Die Investition lohnt sich dennoch: „Die Lagerung ist hygienischer und macht uns weniger Arbeit.“

 

Markus Ehrmann hatte aber auch Glück. Seine Frau Damaris hat am 28. Juni den kleinen Ferdinand Günter Rex auf die Welt gebracht. „Ein Mensch ohne Namen ist unsichtbar“, zitiert der Vater aus Mirjam Presslers Roman „Nathan und seine Kinder“. Das junge Paar hat sich nämlich Gedanken gemacht: Ferdinand steht für starker Beschützer, den Namen Günter trug der Vater von Damaris und bedeutet Kämpfer. Rex ist der König, aber nicht nur das: „Der Name Rex war über Jahrhunderte auf unserem Hof“, erzählt Vater Helmut Ehrmann. Im Jahr 1734 hat sich in der Familienbibel ein Leonhard Rex verewigt. „Ich freue mich, dass der alte Name der Familie weiterlebt.“

 

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Wir starten zur Rundfahrt über die Felder des Hofs, auf denen Markus Ehrmann das Futtergetreide für die Schwäbisch-Hällischen Schweine anbaut sowie Wildsamen vermehrt. Die Halme der goldgelben Triticale – eine Kreuzung zwischen Weizen und Roggen - wiegen im Wind. Der Landwirt zerreibt eine Ähre zwischen den Handflächen und kostet ein Korn: „Das ist fast schon reif, aber leider winzig.“ Das Futtergetreide werde in diesem Jahr womöglich knapp. Dem intensiv nach Honig duftenden Echten Labkraut hingegen ist die lang anhaltende Trockenheit gut bekommen. Das gilt auch für die Kohldisteln, über denen Perlmuttfalter tanzen.

 

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Zuletzt passieren wir ein Feld, auf dem die Gerste gedroschen und das Stroh abgefahren wurde. „Jetzt muss es so flach wie möglich gegrubbert werden“, erklärt der promovierte Landwirt, „damit das Unkraut keimt.“ Der Laie ist verwirrt. Warum soll das Unkraut keimen? Markus Ehrmann lacht: „Was ich in diesem Jahr zum Keimen bringe, wächst im nächsten Jahr nicht.“

 

Im kommenden Monat besuchen wir unseren Landwirt wieder. Schauen Sie rein!

 

 

 

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