Gerd und Claudia Albrecht - Landwirtschaft ist (s)eine Berufung


Das Anwesen der Albrechts gleicht eher einer Ranch im Mittleren Westen der USA als einem Bauernhof im Hohenlohischen. Rundherum Felder, so weit das Auge reicht. Auch auf den Lichtenhöfen selbst ist alles ein bisschen anders als bei anderen Landwirten.

 

 

Bei Albrechts arbeiten Erzeuger und Verarbeiter(in) nämlich im Team. Gerd Albrechts Ehefrau Claudia ist nicht nur Bäuerin, sondern auch Metzgerin, genauer Metzgermeisterin. Als solche kennt sie sich natürlich bestens aus mit gutem Fleisch. Sie war es auch, die 2012 ihren Mann davon überzeugt hat, den von Nassau ausgesiedelten Familienbetrieb auf Schwäbisch-Hällische Schweine umzustellen. „Meine Frau hat immer von der Fleischqualität geschwärmt“, erinnert sich Gerd Albrecht.

 

Werden die Schweine mit Triticale gefüttert, ist der Speck kernig und fest
Gerd Albrecht, Landwirt

 

Der besonders gute Geschmack von Schwäbisch-Hällischem Qualitätsschweinefleisch (EU-geschützte geografische Angabe) hat mehrere Gründe. Zum einen ist er genetisch bedingt: Die feinen Fettäderchen, die das Fleisch durchziehen, machen es besonders zart und saftig. Zum anderen trägt die artgerechte Haltung der Schweine auf Stroh und mit Auslauf dazu bei.

Gerd Albrecht weiß noch einen dritten Grund: „Werden die Tiere mit Mais gefüttert, ist ihr Speck weich. Bekommen sie Triticale, ist er kernig und fest.“ Klar, auf welches Futter Gerd Albrecht setzt.

 

Filmbeitrag

 

Zusammen mit einem Partner und mithilfe eines angestellten Mitarbeiters bewirtschaftet Gerd Albrecht 220 Hektar Fläche. „Da braucht man schon einige Maschinen“, sagt der Landwirt, der vor allem Weizen, Winter- und Sommergerste, Triticale, Zuckerrüben und Raps anbaut. Und seit vier Jahren gentechnisch unverändertes Soja, das den Schweinen gefüttert wird. Gerd Albrecht zeigt uns sichtbar stolz auf einem Feld die Pflanzen, an denen die prallen Schoten hängen: „Wir liefern die Sojabohnen nach Kehl und bekommen Sojaschrot zurück.“

 

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Bei den Albrechts ist zu besichtigen, wie artgerechte Tierhaltung aussieht. Die Muttersauen leben mit ihren Ferkeln in großen Buchten. Die Tiere haben zudem noch mehr Platz, als es die Erzeugerrichtlinien ohnehin verlangen. Gesetzlich vorgeschrieben sind rechnerisch 0,75 Quadratmeter pro Schwein; 1,20 Quadratmeter stehen einem Schwäbisch-Hällischen Mastschwein zu; bei Albrecht sind es 1,60 Quadratmeter pro Tier. Das entspricht praktisch den Bio-Richtlinien. „Nicht ausgeschlossen, dass wir diesen Weg noch gehen“, sagt Gerd Albrecht.

 

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Im Erzeugerschlachthof werden die Schwäbisch-Hällischen Schweine tierschutzgerecht geschlachtet; das Fleisch kommt zur Weiterverarbeitung zurück auf den Hof. Die tatkräftige wie tüchtige Metzgermeisterin hat im Untergeschoss des Familienhauses eine voll ausgestattete Metzgerei eingerichtet. Hier werden die Schweinehälften in Teilstücke zerlegt, Frisch- und Dosenwurst hergestellt. Verkauft wurden die Erzeugnisse zuvor im eigenen Hofladen, jetzt betreibt Claudia Albrecht eine eigene Hofmetzgerei in Markelsheim.

 

Die Albrechts sind überzeugte Mitglieder der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall. „Das ist ein Weg für die Landwirtschaft, sich vom harten Markt abzugrenzen“, sagt er. „Landwirt ist ein toller Beruf“, fügt sie hinzu, „nur schade, dass er in der Gesellschaft so wenig wert geschätzt wird.“ Für ihren Mann ist er dennoch ohne Alternative: „Landwirt ist mehr als ein Beruf, eher eine Berufung.“

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