Junge Ideen für die Zukunft


Das Thema Tierwohl beherrscht derzeit die öffentlichen Medien. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht Vorwürfe an die Adresse der Schweinehalter gerichtet werden. Wie aber können tiergerechte Haltungsformen aussehen? Bei einem KTBL-Workshop haben sich jetzt junge Menschen darüber Gedanken gemacht.

 

Hinter dem sperrigen Namen steht das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft, in dem honorige Agrarwissenschaftler unter anderem „das aktuelle Wissen aus Forschung, Entwicklung, Beratung und Praxis“ aufbereiten und es allen Beteiligten zur Verfügung stellen. In dem KTBL-Workshop haben Junglandwirte und Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiter von Universitäten, Berater und Mitarbeiter von Stallbaufirmen „Junge Ideen für tiergerechte Haltungsverfahren“ entwickelt.

 

Verbraucher wollen den perfekten Schweinestall. Er sollte jederzeit Einblick gewähren, für den Landwirt gut zu bewirtschaften und rentabel sein, den rechtlichen Anforderungen entsprechen und die Umwelt schonen. Ökologische Haltungsformen werden zwar eine Nische bleiben, sind die Teilnehmer überzeugt, aber unterschiedliche Klimazonen beispielsweise wären auch in konventionellen Ställen sinnvoll. Schweine können nämlich nicht schwitzen und benötigen zur Regulierung ihrer Körpertemperatur Bereiche, die unterschiedlich temperiert sind. 

 

erbraucher fordern Auslauf. Dass das Schwein ins Freie darf, ist wohl auch aus Tierwohlsicht wünschenswert. In der Praxis stößt das Ansinnen jedoch schnell an seine Grenzen. Wie schwer es ist, einen Auslauf für einen bestehenden Stall genehmigt zu bekommen, davon können viele Mitgliedsbetriebe ein Lied singen.

 

Verbraucher sind für Ringelschwänze. Die Praxis, den Ferkeln im Alter von wenigen Tagen den Schwanz zu kupieren, stößt viele ab. Mit ihr beugen die Bauern aber dem gefürchteten Schwanzbeißen vor, an dem Schweine im schlimmsten Fall verenden können. Auch hier, so das Ergebnis des Workshops, kann gegengesteuert werden. Beschäftigungsmaterial wie Ringe und Bälle, die jetzt auch in der konventionellen Haltung Vorschrift sind, langweilen die intelligenten Tiere schnell. Mit Langstroh können Ferkel stundenlang spielen. Ein größeres Platzangebot kostet den Landwirt Geld, wirkt sich aber positiv aus. Die Praxis: Gerade mal 0,75 Quadratmeter stehen einem Schwein in der konventionellen Mast zu. 

 

Das A und O einer tiergerechten Haltung aber ist der Landwirt selbst, sind sich die Teilnehmer einig. Ein Bauer, der seinen Stall professionell zum Wohl der Tiere managt, muss freilich Verbraucher entsprechend entlohnt werden. Mehr Tierwohl kostet – mindestens 30 Prozent mehr, ergeben Berechnungen.

 

Gleichen wir mit den Erzeugerrichtlinien für Schwäbisch-Hällisches Qualitätsschweinefleisch g.g.A. (EU-geschützte geografische Angabe) ab: „Bevorzugte Haltungsform“ ist der Auslauf ins Freie, Stroheinstreu in den Ställen ist Vorschrift, das Platzangebot beträgt mindestens 60 Prozent mehr. Fazit: Die Landwirte der Erzeugergemeinschaft sind auf einem guten Weg.


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