Schweinetrieb beim Volksfestumzug


Beim Volksfestumzug in Stuttgart werden auch in diesem Jahr die Hohenloher Bauern mit Schwäbisch-Hällischen Schweinen zum Cannstatter Wasen marschieren. Aus gutem Grund. Das saumäßige Spektakel hat nämlich einen historischen Hintergrund.

 

Die Stars unter den 94 teilnehmenden Gruppen beim Volksfestumzug sind alljährlich die Tiere und hier vor allem die Mohrenköpfle, wie sie liebevoll in ihrer Heimat genannt werden. Die mehr als vier Kilometer lange Strecke bereitet den kräftigen, auf der Schweineweide lebenden Tieren keine Mühe. Eher den Hohenloher Bauern, die zum Vergnügen der Zuschauer die Schweine davon abzuhalten versuchen, die Vorgärten der Cannstatter oder die städtischen Blumenrabatten zu plündern.

 

Für die Bäuerlichen ist die Teilnahme am Umzug Ehrensache. Das Cannstatter Volksfest wie die Schwäbisch-Hällischen Schweine gehen nämlich auf König Wilhelm I. von Württemberg zurück, der das Land von 1816 bis 1864 regierte. Sein Amtsantritt fiel in eine Zeit großer Not: 1815 war in Indonesien der Vulkan Tambora ausgebrochen - eine der schwersten Naturkatastrophen seit Menschengedenken, die Württemberg 1816 das „Jahr ohne Sommer“ bescherte. Von April bis September gingen Regen-, Graupel- und Schneeschauer nieder. Das Getreide verschimmelte auf dem Feld, die Ernte fiel aus. Die Folgen waren Hunger und Verarmung.

 

Der junge König verordnete seinem Land Innovationen, um die (Land-)Wirtschaft anzukurbeln. Er gründete die Universität Hohenheim, rief das Landwirtschaftliche Fest zu Cannstatt ins Leben und ließ chinesische Schweine „zur Hebung der Schweinezucht“ aus England importieren. Sie wurden mit heimischen Rassen gekreuzt. Am besten verbreitete sich das Schwäbisch-Hällisches genannte Landschwein in der Region rund um Schwäbisch Hall.

 

Dass die alte Rasse fast ausgestorben wäre und Anfang der 1980er Jahre von Hohenloher Bauern um Rudolf Bühler vor dem Aussterben gerettet wurde, wissen die wenigsten der rund 250 000 Zuschauer. Sie freuen sich vielmehr daran, die Schweine mit „den tief herabhängenden Schlackohren, dem langen Rüssel, den groben Knochen, der außerordentlichen Körperlänge mit dem besonderen Kennzeichen der Aechtheit: schwarzer Kopf und schwarzes Hinterteil“ (erste Beschreibung der neuen Rasse aus dem Jahr 1844) einmal live zu bestaunen.

 

 

Volksfestumzug:

Sonntag, 24. September, 11 Uhr

 

Übertragung im SWR-Fernsehen
Sonntag, 24. September, 15.45 Uhr

 

 

 

 

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