Serie (2): Das Herdbuch


Eine Zucht auf- und auszubauen erfordert viel Wissen von den Landwirten. Die Anforderungen sind in der Zuchtbuchordnung der Züchtervereinigung Schwäbisch-Hällisches Schwein e.V. (ZVSH) festgeschrieben: „Die ZVSH züchtet ausschließlich die im Jahr 1820 von König Wilhelm I. durch Einkreuzung von chinesischen Schweinen in den Haller Schlag begründete Landschweinerasse des Schwäbisch-Hällischen Schweins in Reinzucht.“ Und zu den Zuchtmethoden heißt es: „Im Rahmen der Reinzucht wird das Zuchtziel ausschließlich durch Selektion und mittels gezielter Anpaarung von selektierten Zuchttieren verfolgt.“ Gentechnische Methoden sind verboten. Jedes Zuchttier ist entsprechend gekennzeichnet, damit seine Identität mit Sicherheit festgestellt werden kann. Das Zuchtbuch wird staatlich überwacht.

 

Die hier so genannten Zuchttiere werden auch Herdbuchtiere genannt – sie bilden das „Buch über die Herde“, den Nukleus der Zucht. Werner Leonhard beispielsweise hält auf seinem Hof in Reichenbach/Nahe (Rheinland-Pfalz) 120 solcher Herdbuchsauen und sechs Eber verschiedener Linien. Moment, werden jetzt diejenigen einwenden, die sich mit der alten Landrasse auskennen: Dürfen die Schwäbisch-Hällischen nicht ausschließlich im Landkreis Schwäbisch Hall und den fünf umliegenden Kreisen gezüchtet und gemästet werden?

 

Ja, doch das gilt für die Sauen, die Schlachtferkel zur Welt bringen. Die reinrassige Zucht der Schwäbisch-Hällischen Herdbuchtiere ist nicht auf Baden-Württemberg und Bayern begrenzt. Und das hat auch seinen guten Grund: Sollte eine Seuche ausbrechen, müssten im eng begrenzten Gebiet der Kreise Schwäbisch Hall und den fünf angrenzenden Kreisen Main-Tauber, Hohenlohe, Rems-Murr, Ansbach sowie dem Ostalbkreis im schlimmsten Fall alle Tiere getötet werden. Und das wäre das Aus für die alte Landrasse der Schwäbisch Hällischen. Der „Satellitenbetrieb“ (Leonhard) in Rheinland-Pfalz ist also ein unverzichtbarer Genpool der Mohrenköpfle.

 

So gesehen ist es ein Glück, dass sich Werner Leonhard (Jahrgang 1950) als einer der Bauern der ersten Stunde in die Schwäbisch-Hällischen verguckt hat. In den 1960er Jahren hatte die Familie bei einem Viehhändler in Crailsheim einige Mohrenköpfle erworben. 1973 übernahm Leonhard den elterlichen Hof und konzentrierte sich fortan auf die alte Landrasse, deren Fruchtbarkeit und Mütterlichkeit ihn überzeugt. 1984 ließ er seine erste Herdbuchsau in das Zuchtbuch des Verbandes für Schweineproduktion Rheinland-Pfalz-Saar eintragen, bis die Züchtervereinigung Schwäbisch-Hällisches Schwein e.V. 1986 die Anerkennung als Zuchtorganisation erlangt hatte.

 

Für den engagierten Landwirt ist es selbstverständlich, jedes Jahr mit einigen Tieren zur Zuchtschau der Schwäbisch-Hällischen beim Hoffest auf dem Sonnenhof in Wolpertshausen anzureisen. Die Passion für die Schwäbisch-Hällischen hat der Rheinland-Pfälzer im übrigen vererbt: Sohn Peter (Jahrgang 1973), promovierter Landwirt, ist mittlerweile in den Betrieb eingestiegen.

 

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