Serie (3): Die Zuchtsauen


Die 325 Schwäbisch-Hällische Herdbuchsauen sind die Königinnen der Zucht. Ihre Bienen, um im Bild zu bleiben, sind die Zuchtsauen. Rund 3500 Schwäbisch-Hällische Zuchtsauen werfen die Ferkel, die dann gemästet und geschlachtet werden.

 

Ein Besuch bei Manfred Gebert auf seinem Hof in Löschenhirschbach, einem Teilort von Neuenstein (Hohenlohekreis). Bereits im Jahr 1997 hat Gebert seinen Hof auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. „Damals war die Bio-Schweinehaltung noch in den Kinderschuhen“, erinnert er sich. Ein großer Markt ist Bio-Schweinefleisch bis heute nicht: 2012 erlösten die (konventionell wirtschaftenden) deutschen Landwirte 7647 Millionen Euro mit Schweinefleisch – ihre Bio-Kollegen gerade mal 76 Millionen Euro. Für den Hohenloher Bauern ist diese Form der Landwirtschaft dennoch ohne Alternative: „Es ist eine Nische, in der wir zurechtkommen.“

 

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Der lang gezogene Stall ist in Buchten unterteilt. Mindestens 7,5 Quadratmeter Stall plus 4 Quadratmeter Auslauf stehen einer Bio-Sau zu, in Geberts Stall sind es mehr. Den hat er nach Recherchen bis ins Ausland nach eigenen Vorstellungen selbst gebaut. Vorne, neben dem Eingang zur Bucht, befindet sich die Ferkelbox mit Deckel. Eine beheizte Bodenplatte in der Box sorgt für die nötige Wärme gerade in den ersten Lebenstagen. Die Muttersau kann sich auf Stroh frei bewegen. „Ich fixiere sie auch vor dem Abferkeln nicht“, Gebert lehnt die übliche Praxis ab, die ein Erdrücken der Neugeborenen verhindern soll. Bei ihm kann das Tier seinem Instinkt folgen und mit dem Stroh ein Nest bauen: „Für die Sau hat das nur Vorteile.“ Der Bio-Bauer ist deshalb darauf bedacht, nur ruhige und gelassene Zuchttiere einzusetzen. Mit seinen 50 Schwäbisch-Hällischen Zuchtsauen gibt es keine Probleme: „Die sind zu 100 Prozent umgänglich.“

 

Die Muttertiere sind immer reinrassig Schwäbisch-Hällische, sie werden entweder mit Sperma eines Schwäbisch-Hällischen oder mit dem eines Pietran-Ebers befruchtet. „Für die Erzeugung von Schlachtschweinen ist neben der reinrassigen Stammzucht eine Anpaarung von Schwäbisch-Hällischen Muttersauen mit stressresistenten Fleischebern zulässig“, heißt es in den Erzeugerrichtlinien für Schwäbisch-Hällisches Qualitätsschweinefleisch g.g.A. (geschützte geografische Angabe). Denn nicht nur das Fleisch der Schwäbisch-Hällischen ist gut marmoriert – sie haben auch eine dicke Speckauflage. Und die mögen nicht alle.

 

Abends um 23 Uhr ist der letzte und morgens um 6 Uhr der erste Kontrollgang. Und wie ist es mit Urlaub? „Schwierig, finden Sie mal eine kompetente Vertretung.“ Gebert ist, so scheint’s, dennoch zufrieden. Wenn sich einer erst mit 30 Jahren und nach zwei Ausbildungen dafür entscheidet, Bauer zu werden, dann steckt wohl wirklich Überzeugung dahinter.

 

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