Serie (4): Der Beratungsdienst


Was kann ein Landwirt in Zeiten des Höfesterbens tun, seinen Betrieb zukunftsfähig zu machen? Hohenloher Landwirte haben die Möglichkeit, Mitglied der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall zu werden und ihren Hof beispielsweise auf die Zucht oder Mast von Schwäbisch-Hällischen Schweinen umzustellen. 

 

Der erste Schritt ist ein Anruf beim Landwirtschaftlichen Beratungsdienst der Erzeugergemeinschaft. Dieter Hofmann, selbst Landwirt, leitet das vierköpfige Team und erklärt die Vorgehensweise: „Zunächst gehen wir auf den Betrieb und schauen uns alles genau an.“ Beim Rundgang mit dem Bauern besprechen die Berater, welches Programm passen und den Neigungen des Betriebsleiters entsprechen könnte. Dabei ist die Größe des Hofs zunächst gar nicht maßgeblich, viele Erzeuger sind Zuerwerbslandwirte.  Entscheidende Faktoren sind der Zustand der Gebäude, die betriebseigenen oder gepachteten Flächen und die persönliche Situation des Bauern. „Einem Landwirt, der kurz vor der Rente steht, empfehlen wir natürlich keine kapitalintensive Umstellung“, der faire Umgang ist für Hofmann selbstverständlich. Lediglich die Aussicht auf Zuschüsse rechtfertigt allein noch keine große Investition.

 

Die Erzeugerrichtlinien machen in vielen Fällen einen Umbau notwendig – Vollspaltenböden sind nämlich verboten, Stroheinstreu ist Pflicht. Rechnet sich diese Investition? Auch der geforderte Auslauf für die Tiere kann innerorts ein Problem darstellen. Gemeinsam mit dem Landwirt erarbeiten Hofmann und seine Kollegen ein individuelles Betriebskonzept. Ist eine Erweiterung oder Aussiedlung geplant, empfehlen die Berater meist einen so genannten Pig-Port. Diese artgerechten Außenklimaställe mit Auslauf hat der Agrarbiologe Rudolf Wiedmann entwickelt, für Hofmann ist er „der Stall der Wahl“ für die Hällischen.

 

Hat sich ein Landwirt entschlossen, die alte Landrasse zu züchten, ist die Umstellung recht langwierig. Schließlich beginnt er nicht bei Null, sondern hat meist ja bereits Schweine im Stall. Ein Umstellungsvertrag regelt das Procedere, „und wir helfen natürlich die Zeit über, wo wir können, damit dem Bauern keine Nachteile entstehen“, erklärt Hofmann.

 

Relativ unproblematisch ist die Umstellung auf die Mast von Schwäbisch-Hällischen für Qualitätsschweinefleisch g.g.A. (geschützte geografische Angabe). Der Landwirt wird Mitglied in der Erzeugergemeinschaft und beim Beratungsdienst, kauft bei einem Hällischen Züchter Ferkel und mästet sie den Erzeugerrichtlinien entsprechend. Die Erzeugergemeinschaft verpflichtet sich im Gegenzug, dem Bauern alle Schweine abzunehmen – und das zu einem attraktiven Preis: 40 Cent Zuschlag gibt’s pro Kilogramm Schlachtgewicht. Dafür muss allerdings der Landwirt aber einen weit höheren Aufwand betreiben als seine konventionell wirtschaftenden Kollegen. Wie die Anforderungen aussehen, erfahren Sie in den nächsten Folgen unserer Serie „Qualität hat ihren Preis“ – schauen Sie rein!

 

Bildunterschrift: Fritz Wolf vom Landwirtschaftlichen Beratungsdienst (rechts) auf dem Betrieb von René König in Boxberg; im Hintergrund Pig-Port-Ställe.

 

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