Serie (8): Die Dokumentation


Wir alle verlassen uns darauf, dass unsere Lebensmittel sicher sind. Dafür sorgen zahlreiche Kontrollen in der Erzeugung (siehe Qualität hat Ihren Preis - Folge 6). Schon für die Bauern ist das ein großer Aufwand, wie ein Besuch bei Martin Hanselmann deutlich macht. Der Hohenloher und seine Frau Waltraud, Mitglied der Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, halten auf ihrem Hof Schwäbisch-Hällische Schweine. Er verbringt wie seine Kollegen viele Abendstunden mit der Bürokratie.

 

Unabhängig vom Qualitätsmonitoring hat der Halter die Anzahl seiner Tiere in eine staatliche Datenbank einzutragen, die Hi-Tier-Datenbank. Damit haben die Veterinärverwaltungen der Länder die Übersicht, wie viele Schweine - getrennt nach Zuchtschweinen einschließlich Saugferkel sowie Mastschweine - wo gehalten werden.

 

Was sonst so alles zu dokumentieren ist, lässt sich beispielsweise an der QS-„Eigenkontrollcheckliste für die Schweinehaltung“ aufzeigen – einem 16-seitigen Papier, das jeder Tierhalter mindestens einmal jährlich auszufüllen hat. Liegt eine Betriebsübersicht vor? Sind Tierplatzzahl oder Futtermenge dokumentiert? Liegt das Ereignisfaltblatt vor? Letzteres regelt, welche Schritte im Fall einer Krise – etwa im Seuchenfall oder bei belastetem Futtermittel – zu beachten sind. Liegen alle Checklisten aus der Eigenkontrolle vor? Wurden Abweichungen aus der letzten Eigenkontrolle behoben? Wurden vereinbarte Korrekturmaßnahmen aus dem letzten Audit fristgerecht umgesetzt? Sind alle Lieferanten ebenfalls zertifiziert? Der Bauer muss dies unterschreiben und haftet im Fall des Falles dafür.

 

Jeder Wareneingang – Futtermittel, Futtermittelzusatzstoffe, Tierarzneimittel – muss dokumentiert werden. Auch Lieferscheine/Rechnungen von Reinigung- und Desinfektionsmitteln sind aufzubewahren. Das füllt so manchen Ordner. Unter Punkt 3.1.2 eine neue Abkürzung: VVVO-Nummer. Die so genannte Viehverkehrs-Verordnungs-Nummer ist jedem landwirtschaftlichen Betrieb von behördlicher Seite zugeordnet. Futtermittellieferanten müssen diese Nummern erfassen. So kann die Warenzuordnung und Rückverfolgung im Krisenfall erfolgen – eine Folge des  Dioxinskandals Anfang 2011.

 

„Die Checkliste hilft dem Bauern, seinen Betrieb in Schuss zu halten“, sagt Hanselmann, der über die ggA-Spezifikation ohnehin weit aufwendigere Auflagen zu erfüllen hat.

 

Dass gegen kriminelle Energie aber kein Kraut gewachsen ist, machen Missstände deutlich, wie sie immer wieder vor allem in der industriellen Fleischproduktion aufgedeckt werden. Ursache sei die Entfremdung des Landwirts von seinen Tieren, ist sich der Hohenloher sicher: „Es greift am Ende nur das Selbstverständnis, wie ich mit meiner Umwelt umgehe.“

 

Wie die Mitglieder der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall mit dem Thema Arzneimittel umgehen, schildern wir in der nächsten Folge von „Qualität hat ihren Preis“ – schauen Sie rein!

 

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