Über Wildsamen, grüne Kreuze und die Zukunft


Ort:
Herbertshausen (Kreis Schwäbisch Hall)

Tiere:
120 Schwäbisch-Hällische Zuchtsauen
700 Schwäbisch-Hällische Mastschweine

 

Mit Ehefrau Damaris und seinen beiden Kindern Karlotta und Ferdinand lebt Markus Ehrmann im ersten und zweiten Stock des Bauernhauses in Herbertshausen bei Rot am See. Der promovierte Agrarwissenschaftler züchtet und mästet Schwäbisch-Hällische Schweine.

 

Markus Ehrmann ist kein gewöhnlicher Landwirt. 2009 hat der inzwischen promovierte Agrarwissenschaftler den Hof von den Eltern übernommen und bis 2017 parallel als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Braunschweiger Thünen-Institut gearbeitet. Damals entschied sich der Jungbauer, den Hof auf Schwäbisch-Hällische Zuchtsauen umzustellen und in zwei neue Außenklimaställe für etwa 800 Mastschweine zu investieren.

 

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2015 und 2017 hat der Landwirt zwei so genannte Pig-Port-Ställe am Ortsrand von Herbertshausen gebaut. Rund 700 Schweine werden hier gemästet. Die Außenklimaställe sind mit Stroh eingestreut, in großen Raufen steht das Material zum Fressen und Spielen bereit. Ein elektrisch betriebener Deckel über den Buchten hält die Temperatur, ein Windfang Zugluft vom großen Auslauf fern. „Die Hällischen sind sehr widerstandsfähig bei Kälte“, sagt Ehrmann.

 

90 Hektar gehören zum Ehrmannschen Hof und „zum Glück liegen die meisten Flächen rund um Herbertshausen“. Hier baut Markus, unterstützt von seinem Vater Helmut Ehrmann und seinem Angestellten Benjamin Praßler, Getreide, Mais und Erbsen als Futter für die Schwäbisch-Hällischen Schweine an. Gentechnisch unverändertes Soja wird zugekauft, dazu mischt der Landwirt Maiskolbensilage.

 

15 bis 20 Prozent der Fläche sind für den Anbau von Wildpflanzen reserviert. Die Gewinnung von Samen für einen Hohenloher Wildpflanzenvermehrer gehört zu den Steckenpferden des Agrarwissenschaftlers. „Ich liebe das Prinzip Hoffnung beim Säen, zu hoffen, dass etwas aufgeht.“ Hier sind es Margeriten und Johanniskraut, Gelbes Labkraut und Rotes Straußgras, Wegwarte und vieles mehr. „Wir brauchen die Vielfalt, denn Vielfalt ist Leben“, sagt Markus Ehrmann, „nur eine hochwertige und artenreiche Begrünung mit Wildpflanzen kann das Insektensterben aufhalten.“

 

Bäuerliche Landwirtschaft heißt, in Generationen zu denken
Markus Ehrmann, Landwirt

 

Natürlich macht sich der Agrarwissenschaftler Gedanken über die Situation der Landwirtschaft in Deutschland. Als frisch gewähltes Mitglied der Landessynode reflektiert er über die grünen Kreuze, mit denen Bauern hierzulande weithin sichtbare Zeichen für ihre Frustration gesetzt haben. „Das Kreuz steht für Frustration“, sagt Markus Ehrmann, „eigentlich ist es aber ein Zeichen der Hoffnung.“ Chancen böten beispielsweise gute Umweltmaßnahmen, mehr Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz sowie öffentliche Forschung im Bereich umweltschonender Produktionstechniken.

 

Bäuerliche Landwirtschaft fordern, aber industrielles Wirtschaften voraussetzen – die Anforderungen vonseiten der Gesellschaft passen für Ehrmann nicht zusammen. Beispiel Digitalisierung für reduzierten Pflanzenschutzeinsatz: Diese Investition könne sich ein kleiner Betrieb nicht leisten. „Was heißt denn eigentlich bäuerlich?“, seine Antwort: „Bäuerlich heißt, nicht auf den kurzfristigen Profit bedacht zu sein, sondern in Generationen zu denken.“

 

Aufmerksame Leser unseres Blogs kennen Damaris und Markus Ehrmann übrigens gut: Für die Serie „Ein Bauernjahr“ haben wir die beiden ein Jahr lang begleitet – geben Sie zum Nachlesen auf der Startseite von www.haellisch.eu in der Suchzeile einfach dieses Stichwort ein.

 

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